Verfasst von: derfreiebuerger | 8. März 2014

Naiv bleiben oder geopolitisch denken?

Politiker lassen Sprechblasen ab, die Medien stimmen sich darauf ein, viele im Volk plappern es nach. Und merken nicht, dass sie sich im doppelten Sinne naiv verhalten: Zum einen, weil sie meinen, die große Politik sei ein Wunschkonzert, in dem es hauptsächlich um Menschenrechte, Demokratie und Selbstbestimmung der Menschen und Völker geht. (Schön wär’s.) Alles andere wird ausgeblendet. Und zum zweiten, weil sie die Positionen und Interessenlagen der „eigenen“ Staaten oder Staatenbünde nicht hinterfragen, ob es nicht hier auch – und also keineswegs nur beim „bösen Gegner“ – um handfeste wirtschaftliche oder militärische Interessen gehen könnte, und wenn sie noch so „christlich“ verbrämt werden.

Peter Scholl-Latour hat es schon 2006 auf den Punkt gebracht: „Russland im Zangengriff“ hieß sein damaliges Buch. Und genau das ging seitdem weiter: Russland wurde und wird gnadenlos eingekreist. Hier geht es um längere Zeiträume und um große Geopolitik. Die Politiker im Hintergrund wissen das genau – auf allen Seiten. Das Volk bekommt immer nur die Augenblicks-Emotionen serviert.

Wer die Situation verstehen will, sollte sich von diesen Augenblicken lösen. Selbst wenn Putin kein Autokrat oder – je nach Sichtweise – Diktator wäre, so müsste er aus geopolitischer Sicht wohl spätestens jetzt reagieren. Denken wir an die Kubakrise 1962: Die Sowjetunion trampelte im Vorgarten der USA herum – die USA reagierten heftig, es wäre fast zum Weltkrieg gekommen. Heute trampelt der Westen im „Vorgarten“ Russlands herum, Ukraine genannt – und das soll ohne Folgen bleiben?

Wer die Krim beherrscht, beherrscht das Schwarze Meer, und damit den Zugang der russischen Flotte zum Mittelmeer. Und der Bär soll brav stillhalten, wenn er derart gereizt wird? Für wie naiv haltet ihr uns?

Näheres zum Thema siehe auch unter http://www.theologe.de/theologe6.htm#Ukraine

Advertisements

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: